Nordeuropa

Nọrd|eu|ro|pa; -s:
nördlicher Teil Europas.

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Nọrd|europa,
 
nọrdische Länder, zusammenfassende Bezeichnung für die Staaten Norwegen, Schweden, Dänemark, Finnland und Island.
 
 
Dänemark war bereits in der letzten Zwischeneiszeit vom Menschen besiedelt; dies belegen Funde von Tierknochen, die von Menschenhand gespalten sind. Als gegen Ende der jüngeren Altsteinzeit die Gletscher der letzten Eiszeit schmolzen, drangen zusammen mit ihrem Jagdwild Rentierjäger der Hamburger Kultur in Jütland ein. Im Spätpaläolithikum bildete sich hier die Brommekultur (benannt nach einer Fundstelle auf Seeland, Dänemark) heraus, die in der folgenden Kaltphase (jüngere Dryaszeit) in die endpaläolithische Lyngbykultur überging; im Spätpaläolithikum entwickelte sich die Ahrensburger Gruppe.
 
In der Mittelsteinzeit war in Dänemark sowie Süd- und Westschweden die Maglemosekultur verbreitet. Im 5. Jahrtausend v. Chr. entstand die Erteböllekultur; ihre Träger hinterließen mächtige Muschelhaufen (»Kjökkenmöddinger«). Zeitgleich, zum Teil jünger sind mehrere Kulturgruppen von Fischern und Jägern, die durch Mikrolithen, Beile aus Felsgestein und zum Teil Walzenbeile gekennzeichnet sind und die in West- und Südnorwegen (Fosnakultur), Nordnorwegen (Komsakultur), Finnland und im Baltikum (Askolakultur [nach der Gemeinde Askola, nördlich von Porvoo, Finnland], Suomusjärvikultur [nach Suomusjärvi, nördlich von Helsinki], Kundakultur) vorkamen. Auf der norwegischen Insel Sørøya westlich von Hammerfest wurden Reste einer Siedlung sowie kleine Felsblöcke gefunden, auf denen Rentiere, Wale, Elche, Vögel und Menschen dargestellt sind. Die mittelsteinzeitlichen Kulturgruppen haben sich stellenweise bis in das 3. Jahrtausend v. Chr. unvermischt erhalten. Die in Südnorwegen verbreitete Nøstvetgruppe ist durch besondere Steinbeile charakterisiert, die u. a. auf den Bømlo-Inseln an der Westküste im Steinbruchbetrieb gewonnen wurden.
 
 
Um 2700 v. Chr. drangen die Träger der Trichterbecherkultur in Skandinavien ein. Diese Kultur verbreitete sich in ganz Dänemark und in Südschweden (Vråkultur), in Norwegen ist sie nur um Oslo und Trondheim anzutreffen. Ihre Entwicklung äußert sich besonders in den über viele Generationen benutzten Großsteingräbern (Megalithgräber). In Nord- und Mittelschweden sowie in Norwegen existierten zeitgleich Jäger- und Fischerkulturen mit Grübchenkeramik und Schiefergeräten. Der Trichterbecherkultur in Jütland und im Süden der Skandinavischen Halbinsel folgte die Einzelgrabkultur. Zu Beginn des 2. Jahrtausends v. Chr. drangen osteuropäische Hirtenstämme als Träger der Bootaxtkultur nach Finnland, Südschweden und Südnorwegen ein. In Finnland wurde diese Kultur von der Kiukaiskultur abgelöst, die eine Verschmelzung der dortigen (älteren) kammkeramischen Kultur mit der Bootaxtkultur darstellt. Damit waren die Grundlagen für die frühe nordische Bronzezeit geschaffen. Für die Endsteinzeit sind Steinkistengräber und Flintdolche typisch.
 
 
Der Süden Nordeuropas war Zentrum der Kultur des Nordischen Kreises. Im Landesinnern lebten noch Jägerstämme mit steinzeitlicher Kultur. Im inneren Finnland bestand eine andere Bronzezeitkultur mit Beziehungen zur russischen Sejma-Turbino-Kultur. Um 1000 v. Chr. wurde der Nordische Kreis durch Einflüsse der mitteleuropäischen Urnenfelderkultur bereichert und allmählich umgeformt (Übergang zur Brandbestattung). Wie tönerne Hausurnen aus Etrurien zeigen, müssen intensive Fernbeziehungen bestanden haben; stellenweise (besonders in Schweden) scheinen importierte Bronzeartikel so »billig« geworden zu sein, dass die eigene Produktion dieser Konkurrenz nicht gewachsen war. Was im Tausch dafür exportiert wurde, ist unklar (Bernstein?). Unter den einheimischen Bronzetypen sind Luren und Hängebecken hervorzuheben.
 
 
Um 500 v. Chr. ist eine Verringerung des Metallreichtums und des Formenbestandes festzustellen. Keltischer Einfluss wurde spürbar (Gundestrup), doch beweisen z. B. die Mooropfer (Hjortspring) das Fortleben nordisch-bronzezeitlichen Brauchtums. Aus dieser Zeit ist Ackerbau bezeugt (Celtic Fields, Hakenpflüge, Hofstätten mit dreischiffigen Hallenhäusern).
 
Um 100 v. Chr. war der zentrale Süden Nordeuropas dicht besiedelt. Besonders reiche Funde liegen von den dänischen Inseln, Gotland und Öland vor; sie enthalten bald auch römische Luxusgüter, die in der römischen Kaiserzeit ähnliche Bedeutung gewinnen wie Güter der Hallstattkultur in der jüngeren Bronzezeit. In diese Zeit fällt die Auswanderung der Goten aus Schweden. Im Grabbrauch zeichnet sich eine gesellschaftliche Differenzierung ab: Neben die beigabenarmen Brandbestattungen treten Körperbestattungen mit reichen Beigaben (u. a. römisches Importgut wie Bronze- und Glasgefäße, selten Terra sigillata, Münzen). Römischer Einfluss zeigt sich auch an den Waffen (kurze eiserne Stichschwerter nach Art des Gladius) und im reichen Silberschmuck. Auch die Runen erschienen erstmals in dieser Zeit. Diese Kulturbeziehungen, durch Kontakte mit südgermanischen Völkern ergänzt, sind teils mit Handel (Pelze), teils durch die Tätigkeit nordgermanischer Krieger als Söldner im römischen Heer zu erklären. In Norwegen wurde das germanische Siedlungsgebiet bis zum Polarkreis ausgedehnt, in Finnland trat die germanische Besiedlung hinter einer baltisch bestimmten Kultur zurück.
 
Völkerwanderungszeit:
 
Die Siedlungsdichte nahm seit dem 4. Jahrhundert stark zu. In der ersten Hälfte des 6. Jahrhunderts zeichnete sich in Dänemark eine Unruhezeit ab (Fluchtburgen; Zerstörung vieler Höfe; Hortfunde), die wohl auf Kriege zurückgeht. Bezüglich der Kultur (Entstehung des germanischen Tierstils) und der Wirtschaft (Handel und Schifffahrt) ist die Völkerwanderungszeit die unmittelbare Vorstufe der Wikingerzeit.
 
 
O. Klindt-Jensen: Denmark before the Vikings (London 1957);
 J. Brøndsted: Nord. Vorzeit, 3 Bde. (a. d. Dän., 1961-63);
 H. Müller-Karpe: Hb. der Vorgesch., 4 Bde. (1-21968-80);
 M. Stenberger: Vorgesch. Schwedens (a. d. Schwed., Neuausg. Berlin-Ost 1977);
 S. E. Nygaard: The stone age of Northern Scandinavia, in: Journal of world prehistory, Jg. 3 (New York 1989); Archäolog. Unterss. zum Übergang von der Bronze- zur Eisenzeit zw. Nordsee u. Kaukasus, Beitrr. v. D.-W. R. Buck u. a. (1994).

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Nọrd|eu|ro|pa; -s: nördlicher Teil Europas.

Universal-Lexikon. 2012.

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